Deutschland wieder im Kornkreisfieber

Alle Jahre wieder kommen in den Sommermonaten die Kornkreise wieder, so auch dieses Jahr in Bayern. Ganz Deutschland rätselt über den Kornkreis bei Raisting/Weilheim in Bayern. Ich musste diesen Text hier einfach schreiben, um mal etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, weil es mich immer wieder befremdet, wenn auch gerade Journalisten sich immer wieder alten Quellen bedienen, die schon vor vielen Jahren falsch und tendenziös waren. Denn Kornkreise sind nicht wirklich mysteriös, wenn man sich ein wenig damit auskennt.

Ich selbst habe mich mit dem Kornkreisphänomen von 1997 bis 2003 intensiv beschäftigt und viele Stufen der Erkenntnis durchschritten. So ging ich anfangs auch sehr unvoreingenommen und offen mit dem Phänomen um. Mit der Zeit merkte ich jedoch, dass mich die einen oder anderen Weggefährten hinters Licht führten.

Was viele nicht wissen ist, dass ich damals einen großen Teil der deutschen Kornkreisszene durch meine Recherchen entlarvt habe. Ich wollte damals im Jahre 2004 ein Buch darüber schreiben, wechselte aber den Job, zog nach Berlin und hatte leider keine Zeit mehr, all mein Wissen niederzuschreiben. Ich kann aber immer noch mit gutem Gewissen sagen, dass ich ein Kenner der Kornkreis-Szene bin. Mit vielen Kornkreismachern habe ich nach deren Enttarnung selbst gesprochen. Ich habe deren Werkzeuge fotografiert und sogar einen Kornkreis-Künstler bei der Arbeit gefilmt. Zu vielen dieser Leute habe ich noch heute Kontakt. Nach 2003 nahm die Anzahl der Kornkreise rapide ab. Dieses Jahr haben wir gerade mal fünf Kornkreis in Deutschland.



Die Kornkreise in Bayern

Kornkreise gibt es seit 1991 in Deutschland. Die ersten richtig berühmten Kornkreise bei Felm und Damp von 1991 gingen auf das Konto von zwei Journalisten. Damals tauchten sogar vermummte Studenten im Fernsehen auf, die sich zu der Tat bekannten und angeblich auf Stelzen ins Getreidefeld gegangen waren. Wie mir einer der beiden Journalisten vor über 10 Jahren erzählte, war das alles von ihnen selbst inszeniert worden.

Das Jahr 2003 war mit 63 Kornkreisen das Kornkreisreichste Jahr in Deutschland. Mit meinen Freunden Wolfgang Schindler und Michael Müller konnte ich den Kornkreismacher auf Rügen auf frischer Tat ertappen. Im Anschluss entlarvte ich die Kornkreismacher an der Schlei in Schleswig-Holstein, sowie die gesamte Szene rund um Kassel und auch zu Teilen in Süddeutschland. Rund zwei Drittel aller Kornkreise im Jahr 2013 wurden von nur sechs Leuten alleine oder in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen gemacht!


COPYRIGHT/FOTO: PETER FRANK, 2003



Ein später Kornkreis des Jahres 2003 sorgte bei mir für besonderes Aufsehen. Bei Wilzhofen, nahe der Stadt Weilheim in Oberbayern, war ein Kornkreis in einer Größe entstanden, die es bisher in Deutschland nicht gegeben hatte. Wie sich schnell herausstellte handelte es sich hierbei um ein groß angelegtes Experiment und Kunstprojekt mit dem Namen "Wen(n) Gaia inspiriert".

Initiiert und organisiert war die Aktion von dem Künstler und Geomant Peter Frank aus Weilheim. Die Veranstaltung fand vom 18.7. bis zum 22.7.03 im Gut Kerschlach bei Weilheim statt. Laut Peter Frank diente das Projekt der "Verbindung menschlicher Kreativität und dem Erdbewusstsein". 23 Personen machten bei der Veranstaltung und der Herstellung des Kornkreises mit. Mitwirkende waren u.a. Marko Pogacnik (Grundlagen, aus Slowenien), Amei Helm (Kreistanz, aus DE) und Yvonne Greifenberg-Kroll (Gestalterin des Kosmogramms/Kornkreises), HiAh Park (Korea/USA) und Lisa Manhuru (DE).

Der wichtigste Mensch an diesen Tagen war aber Remko Delfgaauw aus den Niederlanden, der für die tatsächliche Ausführung der Kornkreisanlegung verantwortlich war. Dieser stellte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit seinen Projekten (u.a. "Fe-Male" in den Niederlanden) unter Beweis, dass man sehr große Kornkreisformationen durchaus mit der nötigen Disziplin und mit einem gut organisiertem Team (Teambuilding!) herstellen kann. Peter Frank teilte mir damals mit, dass der Kornkreis in der Nacht von Dienstag, den 22.7., zum Mittwoch hergestellt wurde. Begonnen wurde am 22. Juli um 22.30 Uhr. Die Arbeit musste wegen eines schweren Gewitters von 1.20 Uhr bis 3.30 Uhr unterbrochen werden. Gegen 4.30 Uhr sei man dann fertig gewesen. Insgesamt waren waren 23 Menschen beteiligt gewesen (fünf Personen aus einem 4-tägigem Vorbereitungs-Kernteam und weitere 18 Personen zur reinen Umsetzung). Den Kornkreis hatte man demnach in ca. vier Stunden fertiggestellt, was mit 23 Personen meiner Erfahrung nach kein Problem ist.

Auszug aus der Zeitschrift "Hagia Chora 15" von 2003, Seite 108:
"Für Remko Delfgaauw, der einige der größten Kornkreise geschaffen hat, ist diese Art von Landschaftskunst kein Sport, um Kornkreis-Gläubige an der Nase herumzuführen (wie das leider bei manchen Kornkreis-Machern immer noch der Fall ist), sondern er versteht die Kornkreis-Kunst als einen intensiven Teamprozess der beteiligten Menschen und als Möglichkeit zur schöpferischen Kommunikation mit der Erde. Die Besonderheit: Die Form des Kornkreises soll ein Kosmogramm sein, das den Ort, die Zeit oder ein bestimmtes für Mensch, Erde und Kosmos wichtiges Thema zum Ausdruck bringt."

So weit, so gut. Lassen wir das mal so stehen. In dem Folgejahr ist mir kein Kornkreis in dieser Gegend bekannt. Ab 2005 entstanden aber genau in dieser Region Jahr für Jahr sehr interessante Kornkreise:


Übersichtskarte. Die Ballonfahrer aus Landstetten waren die ersten, die die Kornkreise von 2012 und 2014 aus der Luft entdeckt haben.



2005 bei Hanfeld

2006 bei Hanfeld

2006 bei Hadorf

2007 bei Fischen am Ammersee

2007 bei Hanfeld

2010 an der Olympia-Regatterstrecke bei Oberschleißheim (Durchmesser: 80 m)

2011 bei Gilching/Oberpfaffenhofen am Unterbrunner Holz (Durchmesser: ca. 50 bis 60 m)

2011 an der Olympia-Regatterstrecke bei Oberschleißheim (Durchmesser ca. 30-40 m)

2012 in der Nähe des Kloster Andechs(Durchmesser: ca. 75 m)

2014 bei Raisting (Durchmesser: ca. 85 m)


Der Kornkreis von 2006 bei Hadorf enthält sogar Elemente der Formation von 2003. Man kann deutlich erkennen, wie die Kornkreisfiguren über die Jahre hinweg immer komplexer wurden. Ich denke, dass es hier ein paar Leute aus dem Team von 2003 gibt, die einfach weitergemacht haben. Auffallend ist auch, dass man scheinbar zunächst in Hanfeld began. Ein Hinweis, dass der oder die Macher dort in der Nähe wohnen?

Abschließen möchte ich aus einer E-Mail vom 14. August 2003 zitieren, die mir einer der Teilnehmer der damaligen Gaia-Formation schrieb:
"Mein Freund (...) war schon ein wenig skeptisch über die Entweihung des Phänomens durch unser Projekt, aber auf dem Foto sah er, wie lebendig das Kunstwerk ist, im Sinne von tiefer Inspiration, die es ermöglicht, dass Mensch und Erde kommunizieren. Und das war unsere Motivation. Dass nur so wenige kamen um das vor Ort zu spüren, liegt vielleicht daran, dass es dafür noch 10 Jahre zu früh ist. Wenn wir nicht gesagt hätten, dass wir es gemacht haben, wären vielleicht eine Menge gekommen und hätten festgestellt, wie kraftvoll das ist. Das ist vielleicht die negative Seite des Mysteriums. Denn sobald es nicht unerklärlich ist, woher der Kornkreis stammt, wird er auch irgendwie uninteressant."

Ist das wirklich alles mysteriös? Ich hielt es für sinnvoll, diesen Text zu veröffentlichen und hoffe, dass ich damit niemandem zu Nahe getreten bin. Aber ich glaube, das die wirklich Kornkreis-Interesierten das hier wissen sollten. Bilden Sie bitte ihre eigene Meinung.

Jan Schwochow, im August 2014


quellen:
Andreas Müller / www.kornkreise-forschung.de
grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de
www.fgk.org
www.kornkreise.de

Remko Delfgaauw / XL D-SIGN
Peter Frank, Weilheim
www.hagia-chora.org
gaia-inspiriert.net
Marko Pogacnik
www.m-luftbild.de
www.leidorf.de


kontakt:
jan schwochow, berlin
germany

email: jan(aet)schwochow.de

berlin 4.8.2014